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Die Wyna, ein Fluss im Brennpunkt der Interessen

Manch einer mag sich bei der Durchfahrt gewundert haben, was die vielen Leute auf dem Badiparkplatz vorhatten, wo doch die Badi Unterkulm noch gar nicht geöffnet war. Aber das Ziel war nicht die Badi. Die Frühlingsexkursion des Natur- und Vogelschutzvereins Unterkulm (NVVU) führte an die Wyna und der Badiparkplatz diente David Preiswerk lediglich als Startpunkt, um die über 30 Interessierten herzlich begrüssen zu können.

David Preiswerk erläutert den Ablauf der Frühlingsexkursion
David Preiswerk erläutert den Ablauf der Frühlingsexkursion

Bald darauf war die Wyna erreicht und David stellte uns das Gewässer kurz vor. Nur wenigen war bekannt, dass das Quellgebiet der Wyna beim luzernischen Weiler Gormund liegt. Im Verlaufe ihrer 32 Kilometer Länge überwindet sie 333 Meter Höhenunterschied, bevor sie in Suhr in die Suhre mündet. Entstanden nach der letzten Eiszeit, ist die Wyna ein prägendes Landschaftselement, das bis vor 150 Jahren sowohl im Gontenschwiler Moos als auch zwischen Unterkulm und Teufenthal mehrere Seitenarme bildete und in vielen Schlaufen dahinfloss. Die Meliorationen in den darauffolgenden Jahren führten einerseits zu einem Gewinn an fruchtbarem Landwirtschaftsland, andererseits aber auch zu einem Verlust an Naturvielfalt. Trotzdem bildet der Fluss noch heute eine äusserst wichtige ökologische Infrastruktur, entlang derer sich Fische, Krebse, Vögel, Biber, Fledermäuse und viele andere Tiere fortbewegen.

Raphael Leder arbeitet für den Kanton Aargau in der Sektion Wasserbau. Er ist als Verantwortlicher Gewässerunterhalt im Südwesten des Kantons auch für die Wyna zuständig. Anschaulich berichtete er von seiner Arbeit, in der er versucht, Hochwasserschutz, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und Erholungs- und Nutzungsraum für Menschen unter einen Hut zu bringen. Dürfen Ufergehölze entlang der Wyna mit Schlegelmähern bearbeitet werden, weil es wirtschaftlicher ist? Wie kann die Uferbefestigung auf natürliche Weise erfolgen? Welche Gehölze sollen entlang der Wyna gefördert werden? Diese Fragen aus dem Publikum zeigten deutlich, in welchem Spannungsfeld sich Raphael bewegt. Wir erfuhren, dass Schlegelmäher bei Niederhecken eingesetzt werden können. Es ist jedoch darauf zu achten, dass abgetrennte Äste den Durchfluss nicht behindern und ein Teil der Hecke stehengelassen wird. An einer Stelle sahen wir eine Böschung, die mit Weidenbündeln, sogenannten Faschinen, auf natürliche Weise saniert wurde. Die Weidenruten bilden innerhalb von zwei Jahren Wurzeln und sollen verhindern, dass die Böschung weggeschwemmt wird.

Raphael Leder erklärt das Prinzip der Faschinen
Raphael Leder erklärt das Prinzip der Faschinen

Zum Thema Gehölze animierte uns David, im Verlaufe der Exkursion Blätter von allen Bäumen und Büschen zu sammeln, denen wir unterwegs begegneten. Schätzungen zur Anzahl der Gehölze bewegten sich zwischen einem Dutzend und 60 Arten. Am Schluss hatten wir die erstaunliche Anzahl von über 30 natürlich vorkommenden Arten gesammelt!

Wer kann das Blätterdurcheinander ordnen?
Wer kann das Blätterdurcheinander ordnen?
Nach kurzer Zeit waren die wichtigsten Gehölze beschriftet
Nach kurzer Zeit waren die wichtigsten Gehölze beschriftet

Monika Schoch stellte uns die aussergewöhnliche Wasseramsel vor. Als einziger Singvogel kann sie bis zu 30 Sekunden tauchen und sucht sich ihr Futter unter Wasser. Dafür hat sie eine Nickhaut über ihre Augen, die wie eine Taucherbrille wirkt. Auch ihre Knochen, die Ohren und das Gefieder sind speziell an die Tauchgänge angepasst. Ihr Nest besteht grösstenteils aus Moos und befindet sich immer in Wassernähe, zum Schutz vor Feinden gerne auch hinter Wasserfällen. Sie lebt ganzjährig an der Wyna und kann auch in Unterkulm immer wieder beobachtet werden.

Zwar nicht in natura, aber wenigstens als anschauliches Präparat - die Wasseramsel
Zwar nicht in natura, aber wenigstens als anschauliches Präparat - die Wasseramsel
Monika Schoch zeigt das riesige Nest der Wasseramsel
Monika Schoch zeigt das riesige Nest der Wasseramsel

Beim nächsten Halt stellte uns Florian Randegger, Fachspezialist Fischerei des Kantons, unsere Flusskrebse vor. Die drei einheimischen Arten kommen nur noch in Restpopulationen entlang von Oberläufen und Seitenbächen vor. Gründe sind Bachverbauungen, die schwindende Wasserqualität und das Aussetzen von amerikanischen Arten vor 150 Jahren. Mit diesen Arten wurde auch ein Pilz eingeführt, gegen den die amerikanischen Arten resistent sind. Bei unseren einheimischen Arten löst der Pilz die Krebspest aus und er kann ganze Populationen innert kurzer Zeit töten. Vor ziemlich genau einem Jahr wurden in Oberkulm einheimische Edelkrebse gefunden, die an Krebspest gestorben waren. Daraufhin richtete der Kanton ein Sperrgebiet von Gontenschwil bis Gränichen ein. Konkret darf die Wyna nicht betreten werden, Hunde dürfen nicht ins Wasser gelassen werden und Arbeitsmaterial (Gewässerunterhalt!), das mit Wynawasser in Berührung kam, muss desinfiziert werden. Die Sperre gilt weiterhin und muss unbedingt beachtet werden, damit die Ausbreitung der Krebspest verhindert werden kann.

Präparate unserer Flusskrebse
Präparate unserer Flusskrebse; von links die einheimischen Arten Steinkrebs, Dohlenkrebs und Edelkrebs, in der Mitte der aus Südosteuropa eingeschleppte Galizische Sumpfkrebs, daneben die aus Amerika stammenden Arten Kamberkrebs, Signalkrebs und rechts der Rote Amerikanische Sumpfkrebs

Zum Schluss konnten wir die gelungene Revitalisierung der Wyna auf dem KWC-Gelände begutachten. Der Bachlauf ist heute abwechslungsreich gewunden und mit natürlichen Holzstrünken versetzt, die Fischen und andern Tieren Unterschlupf bieten. Der Uferbereich wurde verbreitert und mit einheimischen Gehölzen, aber auch offenen Stellen und Magerwiesen gestaltet. Wichtig ist, dass das Gelände gut gepflegt wird, damit es im Verlaufe der Zeit nicht wieder verbuscht.

Beim Schulhaus Färberacker offerierte der NVVU einen feinen Imbiss und sowohl Raphael als auch Florian erhielten ein wohlverdientes Geschenk für ihre interessanten Ausführungen. Schön, dass sie sich noch Zeit nahmen um weitere Fragen zu beantworten. Ein herzliches Dankeschön gebührt dem NVVU für die Organisation des gelungenen Anlasses. Wir erhielten vielfältige Hintergrund-informationen zur Wyna und lernten den Fluss auf neue Art kennen und schätzen.

Der feine Imbiss wartet auf hungrige Mäuler
Der feine Imbiss wartet auf hungrige Mäuler

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